„ICH FEIERE MIT MEINEM PUBLIKUM DAS HIER UND JETZT“
INTERVIEW MIT JONAS GAVRIIL

Jonas Gaviil

Fotos: © Jörg Rieger und © David Mertz

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Mit seiner Mischung aus melancholischem Indie-Pop, klassischem Songwriting und intensiver Bühnenpräsenz gehört Jonas Gavriil zu den spannendsten jungen Stimmen der deutschen Singer-Songwriter-Szene. Der aus Pforzheim stammende Musiker verbindet poetische Texte mit moderner Emotionalität und schafft Songs zwischen leiser Verletzlichkeit und kraftvoller Hoffnung. Wir haben mit ihm über seine musikalischen Wurzeln, das Schreiben auf Deutsch, Live-Momente und die Bedeutung von Echtheit gesprochen. Im exklusiven Interview mit der Enzkreis Rundschau erfahren wir mehr über den interssanten Künstler.

Jonas, deine Musik bewegt sich zwischen Indie-Pop, klassischem Songwriting und emotionaler Tiefe. Wie würdest du selbst deinen Sound beschreiben?

Ich glaube, meine Musik lebt stark von Gegensätzen. Sie kann sehr ruhig und intim sein, dann aber plötzlich groß und dynamisch werden. Ich komme ursprünglich viel aus der klassischen Singer-Songwriter-Welt, höre aber genauso gerne moderne Indie-Produktionen. Daraus entsteht irgendwie mein eigener Mix.

In Beschreibungen deiner Musik fallen oft Vergleiche wie „Reinhard Mey trifft auf die Beatles“ oder „AnnenMayKantereit jammen mit Oasis“. Kannst du mit solchen Bildern etwas anfangen?

Total. Natürlich versucht man trotzdem, etwas Eigenes zu schaffen, aber solche Vergleiche helfen manchmal, eine Atmosphäre zu beschreiben. Ich liebe Künstler, die ehrlich erzählen und gleichzeitig musikalisch mutig sind. Wenn Menschen bei meiner Musik an solche Namen denken, ist das erstmal ein schönes Kompliment.

Jonas GavriilDu schreibst inzwischen zunehmend deutsche Texte. Warum gerade Deutsch?

Weil ich gemerkt habe, dass ich mich in meiner Muttersprache oft direkter ausdrücken kann. Englisch hat manchmal etwas Verträumtes oder Universelles, aber Deutsch zwingt dich dazu, ehrlich zu sein. Man kann sich weniger verstecken – und genau das mag ich mittlerweile sehr.

Deine Songs wirken oft sehr persönlich. Wie viel Jonas steckt tatsächlich in deinen Texten?

Sehr viel. Natürlich verarbeitet man manchmal auch Geschichten anderer Menschen oder beobachtete Situationen, aber am Ende muss ich emotional irgendeinen Bezug dazu haben. Sonst fühlt es sich nicht echt an. Ich glaube, Menschen merken sofort, ob etwas ehrlich gemeint ist oder nur gut klingen soll.

Du warst mit deinem Song „Viertel vor acht“ im TV-Format „The Piano“ zu sehen. Wie hast du diese Erfahrung erlebt?

Das war extrem intensiv. Man sitzt plötzlich in einer ganz besonderen Situation, spielt einen sehr persönlichen Song und weiß nicht genau, was passiert. Gleichzeitig war es aber auch wunderschön, weil die Musik dort wirklich im Mittelpunkt stand. Nicht die Show, nicht das Drumherum – sondern der Song selbst.

Was bedeutet dir die Bühne?

Sehr viel. Live-Konzerte sind für mich der Moment, in dem Musik wirklich lebendig wird. Ich liebe diese direkte Verbindung mit dem Publikum. Wenn man merkt, dass ein Song gerade etwas bei Menschen auslöst, entsteht eine Energie, die man im Studio nie komplett reproduzieren kann.

Viele deiner Songs haben eine melancholische Grundstimmung – gleichzeitig aber auch etwas Hoffnungsvolles. Ist das bewusst?

Ja, wahrscheinlich schon. Ich finde Melancholie überhaupt nichts Negatives. Oft entstehen daraus die ehrlichsten Momente. Aber ich möchte nie in Hoffnungslosigkeit enden. Mich interessiert eher dieses Spannungsfeld zwischen Sehnsucht, Zweifel und trotzdem irgendwie weitermachen.

Welche Rolle spielt das „Hier und Jetzt“ für dich als Künstler?

Eine große. Gerade bei Konzerten merke ich immer wieder, wie wertvoll echte Momente geworden sind. Alles ist schnell, digital und permanent verfügbar. Umso schöner ist es, wenn Menschen gemeinsam in einem Raum stehen und einfach einen Abend erleben. Das bleibt.

Was inspiriert dich außerhalb der Musik

Sehr viel Alltag tatsächlich. Gespräche, Begegnungen, Zugfahrten, Filme, Bücher oder manchmal einfach ein bestimmtes Gefühl. Oft sind es eher kleine Dinge als die großen Ereignisse.

Wenn du dir für die nächsten Jahre etwas wünschen könntest – was wäre das?

Dass ich weiterhin Musik machen darf, die Menschen authentisch erreicht. Und dass ich mir dabei die Freude und die Neugier bewahre. Alles andere entwickelt sich dann hoffentlich von selbst.

Vielen Dank für das Gespräch!



Ein Video mit Jonas Gavriil finden Sie auf der Instagram-Seite der Enzkreis Rundschau (@enzkreisrundschau).