GIOVANNI ZARRELLA
im Enzkreis Rundschau Promi-Gespräch

Giovanni Zarrella

Fotos: © Maximilian König

Giovanni Zarella – Große Emotionen, neue Klangfarben und jede Menge musikalische Wertschätzung: Giovanni Zarrella ist Teil der neuen Staffel von „Sing meinen Song“ und bringt dabei nicht nur seine Stimme, sondern auch seine ganz eigene kulturelle Handschrift ein. Der Sänger, Moderator und Entertainer interpretiert die Songs seiner Kolleginnen und Kollegen auf seine ganz eigene Weise – mal auf Deutsch, mal auf Italienisch und sogar auf Portugiesisch. Bekannt für seine emotionalen Auftritte und seine Nähe zum Publikum sieht er in dem Format vor allem eines: die Chance, anderen Künstlern mit ihren eigenen Liedern ein musikalisches Geschenk zu machen. Im Interview spricht er über seine Liebe zu „Sing meinen Song“, den behutsamen Umgang mit fremden Werken, die besondere Intimität kleiner Auftritte und darüber, warum ihn das Glück seiner Familie oft mehr bewegt als das eigene.

Giovanni, warum wolltest du unbedingt bei „Sing meinen Song“ dabei sein?

Wenn man bei so einem Format zusagt, dann nur, weil man wirklich große Lust darauf hat. „Sing meinen Song“ ist unglaublich intensiv – musikalisch, emotional und menschlich. Und genau das liebe ich daran. Ich finde dieses Format seit der ersten Staffel großartig und wollte tatsächlich schon seit vielen Jahren unbedingt einmal Teil davon sein.
Man beschäftigt sich natürlich sehr intensiv mit den Künstlerinnen und Künstlern und überlegt sich, welche Songs einen besonders berühren.
Mir war dabei wichtig, jedem Song meine eigene Handschrift zu geben – nicht nur musikalisch, sondern auch sprachlich.
Ich habe einige Songs auf Italienisch interpretiert, sogar einen auf Portugiesisch – der Muttersprache meiner Frau.
Ich wollte die Künstler überraschen und ihnen zeigen, wie viel Respekt und Wertschätzung ich für ihre Musik empfinde.
In jedem Song steckt ein Teil der Seele des Künstlers. Deshalb muss man mit diesen Liedern sehr behutsam, liebevoll und respektvoll umgehen.

Du wirst in mehreren Sprachen singen. Würdest du sagen, dass das deine Präsentationen besonders interessant macht?

Ja, absolut. Sprache verändert sofort die Stimmung und die Farbe eines Songs. Wenn plötzlich ein bekannter Pop-Hit auf Italienisch gesungen wird, bekommt er sofort eine ganz andere Emotion. Man erkennt den Song zwar wieder, erlebt ihn aber komplett neu. Genau das finde ich spannend. Es entsteht sofort ein anderes Gefühl – fast so, als würde ein italienischer Künstler den Song neu interpretieren. Natürlich habe ich nicht jeden Song sprachlich verändert. Manche habe ich bewusst auf Deutsch gelassen. Aber diese Mischung aus verschiedenen Kulturen und Sprachen gehört inzwischen einfach zu meiner musikalischen Identität dazu.

Hast du also versucht, die Songs neu zu interpretieren, oder wolltest du nah am Original bleiben?

Das war ganz unterschiedlich. Manche Songs wollte ich bewusst nah am Original lassen, andere habe ich komplett neu gedacht. Gerade bei sehr emotionalen Liedern darf man nie vergessen, dass sie oft in einer verletzlichen Phase entstanden sind. Deshalb braucht es dort besonders viel Fingerspitzengefühl und Respekt. Bei schnelleren, leichteren Songs kann man sich natürlich kreativer austoben und freier interpretieren.
Bei einem Song habe ich sogar etwas ganz Besonderes gemacht: Die erste Hälfte habe ich bewusst im ursprünglichen Sinne des Künstlers belassen. In der zweiten Hälfte habe ich den Song dann auf meine eigene Geschichte übertragen und einer Person gewidmet, die mir sehr viel bedeutet.
Dadurch sind zwei persönliche Geschichten miteinander verschmolzen – und genau das hat diesen Moment für mich unglaublich emotional gemacht.

Macht es für dich einen Unterschied, ob du einen Song eines Künstlers singst, der seit Jahrzehnten im Geschäft ist, oder von jemandem, der noch unter dem Radar fliegt?

In der Herangehensweise eigentlich gar nicht. Ich begegne jedem Song mit derselben Wertschätzung. Der einzige Unterschied ist: Bei einem sehr bekannten Hit fällt eine neue Interpretation natürlich schneller auf. Aber unabhängig davon, wie groß ein Künstler ist oder wie bekannt ein Song bereits geworden ist – hinter jedem Lied steckt ein Mensch, seine Geschichte und seine Emotionen. Und genau deshalb bin ich mit jedem einzelnen Song sehr respektvoll umgegangen. In der Vergangenheit haben viele Künstler gesagt, dass es schwieriger sei, vor ein paar Kollegen zu singen als vor Tausenden von Zuschauern.

Ist das so?

Ja, das kann ich total nachvollziehen. In einem kleinen, intimen Rahmen fühlt man sich oft verletzlicher als auf einer großen Bühne. Das klingt paradox, aber vor zehn Menschen zu singen, kann emotional intensiver sein als vor zehntausend. Man ist greifbarer, direkter und emotional viel näher beieinander.

Liegt das an der intimeren Atmosphäre oder daran, dass es Kollegen sind?

Für mich hat das weniger mit den Kollegen zu tun, sondern vielmehr mit der Intimität der Situation. Je intimer ein Moment ist, desto verletzlicher macht man sich automatisch. Bei „Sing meinen Song“ kommt noch etwas Besonderes dazu: Du singst einem Künstler seinen eigenen Song vor – in deiner ganz persönlichen Interpretation. Und natürlich wünschst du dir, dass dieser Mensch sich verstanden fühlt und sich über dieses musikalische Geschenk freut. Natürlich schwingt immer auch die Angst mit, ob die Interpretation wirklich ankommt. Das gehört einfach dazu.

Giovanni ZarrellaIst es schwierig, sich einen Song zu eigen zu machen?

Für mich passiert das tatsächlich sehr intuitiv. Sobald ich einen Song höre, habe ich oft direkt Bilder und Ideen im Kopf. Dann denke ich sofort darüber nach, ob daraus vielleicht eine Ballade werden könnte oder ob ein italienischer oder latinmäßiger Einfluss gut funktionieren würde.
Diese Vorstellungskraft hatte ich schon als Kind. Ich habe damals schon Songs von Michael Jackson, Phil Collins oder Elton John gehört und mir vorgestellt, wie sie wohl auf Italienisch klingen würden. Ich habe Musik immer schon aus einer sehr kreativen Perspektive betrachtet.

Du bist ein sehr emotionaler Typ. Du wirst sicher keine Probleme damit haben, deine Emotionen zu zeigen, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich finde sogar, dass genau darin eine große Stärke liegt. Emotionen zu zeigen bedeutet Ehrlichkeit – und genau das verbindet Menschen miteinander.

Ich vermute, dass du lieber beschenkst als beschenkt wirst, oder?

Ja, total. Mich macht es am glücklichsten, wenn die Menschen um mich herum glücklich sind. Das ist für mich echtes Glück. Mein eigener Geburtstag ist mir deshalb gar nicht so wichtig. Viel wichtiger sind mir die Geburtstage meiner Frau und meiner Kinder. Darüber freue ich mich viel mehr und da mache ich mir auch viel mehr Gedanken. Das habe ich von meiner Mama gelernt: Glück wird größer, wenn man es mit anderen teilt. Wenn es den Menschen, die ich liebe, nicht gut geht, kann ich selbst auch nicht wirklich glücklich sein.

Neben den Songs wird es natürlich wieder Gespräche geben, in denen ihr eure Seele öffnet.

Mir fällt es grundsätzlich leicht, offen und ehrlich über Gefühle zu sprechen. Wer meine Konzerte kennt, weiß, dass die Geschichten zwischen den Songs für mich fast genauso wichtig sind wie die Musik selbst. Die Einführung in einen Song, also das, was man klassisch als Anmoderation bezeichnet, ist für mich unglaublich wichtig. Ich möchte den Menschen erklären, warum ich einen Song singe, welche Geschichte dahintersteckt und welches Gefühl ich damit transportieren möchte. Oft verbinde ich das mit sehr persönlichen Erlebnissen aus meinem Leben oder meiner Familie. Sobald Menschen eine Verbindung zu ihrer eigenen Geschichte spüren, hören sie einen Song plötzlich ganz anders. Dann wird Musik noch emotionaler und intensiver. Und genau darum geht es auch bei „Sing meinen Song“: um echte Emotionen, persönliche Geschichten und darum, Musik auf eine ganz besondere Weise miteinander zu teilen.