HENDRIK DURYN
IM ENZKREIS RUNDSCHAU PROMI-GESPRÄCH

Hendrik Duryn

Fotos: © RTL/MadeFor/Steffen Junghans

Hendrik Duryn – Wer dachte, der Unterricht sei vorbei, hat die Rechnung ohne Stefan Vollmer, alias Hendrik Duryn, gemacht. Der kultigste Lehrer des deutschen Fernsehens kehrt zurück – mit starken Sprüchen, viel Herz und seinem Blick für die Themen der Jugendlichen. In den neuen Episoden geht es um Einsamkeit und das Bedürfnis, dazuzugehören, Leistungsdruck, Angstzustände, Teenagerschwangerschaft, erste Liebe, sexuelle Identität und Familiengeheimnisse. Kurzum: Themen, die nah dran sind – erzählt mit der Leichtigkeit, dem Witz und der Wärme, für die „Der Lehrer“ seit jeher steht.

Hendrik, der kultigste Lehrer Deutschlands, kehrt zurück. Ein gutes Gefühl, oder?

„Kultigste Lehrer“. Gut, dass Stefan Vollmer kein Deutschlehrer ist. Aber auch so: Superlative sind nicht sein Ding. Er hat es mehr mit Bodenhaftung und Authentizität. Genau das löst bei mir das gute Gefühl aus, das ich mit der Rolle und vor allem mit der Show „Der Lehrer“ verbinde.

Im Zentrum steht der Zuschauer. Stefan ist Teil der Familie. Und seit dem ersten Moment unserer „Begegnung“ so etwas wie mein kleiner Bruder. Nun kommt Stefan Vollmer wieder zurück, und zack, haben wir direkt ein Jubiläum. Die Zuschauer dürfen sich auf die 10. Staffel freuen!

10. Staffel zum 20-jährigen Geburtstag nach fünf Jahren Pause. 2006 im Mai fiel die erste Klappe zur allerersten Episode „Der Lehrer“, Titel „Der Neue“. 2026 kam die 10. Staffel mit dem Titel der ersten Episode: „Einfach nur ein Ticket ziehen“. Da ist der Name Programm. Auch wenn die zweite Episode bereits „Tag zwei im Job und schon den Kopf auf der Tischplatte“ heißt. Alle sechs brandneuen Folgen sind jetzt im Stream mit den restlichen 98 Episoden aus den letzten Jahren. Das ist eine herzliche Einladung an alle für eine Woche Binge-Watching auf RTL+.

Stefan Vollmer ist bekannt für seine starken Sprüche und viel Herz. Vor allen Dingen ist er aber dafür bekannt, dass er sich für Themen interessiert, die Jugendliche bewegen. Welche Themen werden das in den neuen Episoden sein?

Gleich die erste Folge ist inhaltlich mein Favorit. Die Erkenntnis, dass Schule eine Chance ist, wenn man etwas Wesentliches begreift: Nicht der Schüler ist für die Schule und die Lehrer da. Es ist umgekehrt: Die Schule, die Lehrer, sind für die Schüler da.

Die Forderung, den Unterricht zu bekommen, der einem zusteht. Den Spieß umdrehen. Schulpflicht? Ja. Aber es gibt eben auch die Lehrpflicht, und wenn diese aufgrund von mehr als 30 Prozent Unterrichtsausfall nicht erfüllt wird, dann kann, dann sollte, dann muss man sie als Schüler einfordern. Es ist nicht nur deine Pflicht als junger Mensch in unserem Land, ausgebildet und gebildet zu werden, es ist dein RECHT.

Dazu kommt die permanent hörbare und narrativ zitierte Entwertung von jüngeren Generationen. Sie wären faul, träge, arbeitsscheu, würden nur fordern und nichts leisten. All die Erwachsenen in den Talkshows, die mit ihren Äußerungen pauschal Jugendliche zu faulen Versagern stempeln, nehmen den Mund voll, aber ihre Verantwortung nicht wahr. Stigmatisierung ist ein Übel, das sich ansammelt und schneller zur Realität wird, als einem lieb ist. Oder wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Eltern Ihnen täglich vorhalten würden, dumm zu sein und nichts zu Wege zu bringen? Sie würden es irgendwann innerlich glauben. Und das ist richtig übel.

Hendrik Duryn
Wie nah würdest du sagen, sind diese Inhalte dran an der Realität?

Wir spiegeln die Realität in einer etwas überhöhten und komprimierten Form. Das heißt, wir sind so nah dran wie im realen Leben, aber durch die Mittel der Kunst lösen wir den „Nebel“ des Alltags auf, der uns oft im Leben das eigentliche Problem gar nicht erkennen lässt.

Und damit das trotzdem authentisch, wahrhaftig und vor allem unterhaltsam wird, braucht es viel Zeit und sehr viel Ehrlichkeit in der Entwicklung dieser Geschichten. Für diese aktuelle Staffel zum Beispiel haben wir uns zwei Jahre Zeit genommen. Denn es soll ja nach Staffel zehn noch einige weitere geben.

Diese Themen sind für die Sendung also existenziell?

In jedem Thema steckt eine Welt, wenn das Thema konkret einen Menschen, in unserem Fall einen konkreten Schüler, mit seiner konkreten Geschichte und Biografie betrifft. Es kann sich dabei um Themen wie Scheidung der Eltern, Ausgrenzung durch ehemalige Freunde oder das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit handeln. Die Themen stehen dabei aber in Verbindung mit einem ganz bestimmten Charakter. Denn nicht jeder leidet unter dem Gefühl der Ausgrenzung, selbst wenn es real passiert. Es gibt Charaktere, die eine innere Stärke aufweisen, sodass ihnen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe so ziemlich egal ist. Anderen eben nicht.

Wenn wir in der Kunst – und das ist die vornehmste Aufgabe der Kunst – diese verschiedenen Perspektiven für die Zuschauer eröffnen, erschaffen wir eben diese „anderen Welten“. Der Zuschauer kann sich dadurch entweder selbst erkennen und Lösungen finden oder entdecken, wie sein Verhalten für andere belastend sein kann.

In der Theorie der Entwicklung der Drehbücher ist das ziemlich aufwendig. In der Umsetzung danach ist es eine humorvolle und lustvolle Sache. Auch für den Zuschauer, denn mit Humor öffnest du das Herz eines Menschen und erreichst dadurch auch den Verstand.

Was ist neu, was ist anders, was bleibt?

Worauf man sich verlassen kann, ist vielleicht für mich besser zu beantworten: Man kann sich darauf verlassen, dass Stefan Vollmer Stefan Vollmer ist.

Das ist jetzt keiner, der zwischenzeitlich mal Burnout hatte oder im Krankenhaus war oder mit Traumata jetzt erst mal zwei Folgen beschäftigt ist, um sich wieder hochzurappeln. Das ist ein Typ, der lebt voll die Breitseite des Lebens. Und das hat er in der Zwischenzeit auch gemacht. Mein Eindruck ist eher so, dass wir als Zuschauer – weil ich bin ja jetzt auch wieder Zuschauer – zu ihm kommen, als dass er zu uns käme. Der hat weitergemacht, der ist da. Der ist da, wo er war, und hat natürlich neue Konflikte. Allein seine Tochter ist jetzt in der Pubertät. Na, herzlichen Glückwunsch als alleinerziehender Vater, sage ich da nur. Das ist zum Beispiel wirklich etwas Neues, eine Herausforderung.

Früher waren das Themen von Kindern, zum Beispiel, die ihre Sexualität gesucht haben, oder jungen Mädchen, die bereits schwanger waren, ungewollt. Das war immer noch woanders, und jetzt ist es seine Tochter, die in ein geschlechtsreifes Alter kommt, die in die Pubertät kommt, wo er sich direkt, jeden Tag, 24 Stunden, damit auseinandersetzen muss. Das ist neu, das finde ich wundervoll. Also Stefan sozusagen direkt zu testen, direkt auszuprobieren, was geht bei ihm.

Natürlich wohnt er in einer anderen Stadt inzwischen. Er ist mit seiner Tochter relativ verantwortlich zwar, aber trotzdem erst mal durch die Gegend gezogen und hat gesagt: Okay, wir müssen finden, was wir wollen. Nicht nur, was ich will, sondern auch, was du willst. Und ist dann in Sachsen gelandet. Finde ich persönlich als Neuerung sehr schön, weil wir damit auch gleichzeitig in der Serie oder in der Geschichte erzählen, dass Deutschland größer ist. Und zwar mit einer riesengroßen Ausdehnung von Ost nach West, von Nord nach Süd. Würde mich nicht wundern, wenn er in der übernächsten Staffel dann meinetwegen im Saarland oder mal in Bayern oder vielleicht in Rostock wohnt oder arbeitet oder mal als Aushilfskraft hingeht.

Neu ist natürlich die Schülerschaft, neu ist die Schule, neu ist auch seine wiedererwachte Lust, in Beziehung zu treten mit dem anderen Geschlecht, also in eine Beziehung einzugehen, die verbindlicher ist als: Ich bin ein alleinerziehender Vater. Das finde ich auch sehr spannend. Das hat mir beim Dreh auch sehr gefallen.

Lass uns über den neuen Cast sprechen …

Der Cast hat mich mit seiner hohen Professionalität freudvoll überrascht. Ich war begeistert. Teilweise sind es Jungschauspieler, teilweise junge Menschen direkt von der Straße.

Unser Mohammed zum Beispiel hat eine hohe Professionalität und einen hohen Anspruch an sich selbst, ohne sich dabei sinnlosen Druck zu machen. Es war ein freudvolles Miteinander – lustvoll mal auf die Fresse fallen und wieder aufstehen.Für mich war das ein gutes Erlebnis, auch mit Blick auf die Zukunft.

Eigentlich wollte es sich Stefan Vollmer in seiner Werkstatt in Leipzig gemütlich machen. Warum geht es zurück ins Klassenzimmer?

Schon wenn Stefan den Gedanken hat, es sich gemütlich machen zu wollen, kann man das knicken. Entweder sitzt ihm selbst etwas quer im Kopf und er macht etwas, oder es passiert etwas.

In diesem Fall bringen ihn mehrere Dinge direkt in die Schule. Eigentlich will er dort nur eine kleine Sache klären. Aber sobald er in die Welt der aktuellen Schule und ihre Situation eintaucht, kann er nicht anders. Er ist vielleicht eine Art Straßenpädagoge oder Sozialarbeiter mit Fachkompetenz für Chemie, Sport und Deutsch. Wenn er etwas sieht, muss er reagieren. Das ist ähnlich, wie wenn man ein Kind sieht, das droht, einen Abhang hinunterzustürzen – da greift man auch zu.

Was ist an der Figur so reizvoll?

Er ist authentisch, wahrhaftig und ehrlich. Das trifft es. Genau das reizt mich auch in meinem Leben und im Umgang mit meinen drei Kindern. Wir haben zu Hause eine wichtigste Regel: Wahrheit. Wenn jemand richtig Scheiße gebaut, etwas kaputt gemacht, in der Schule eine Vier geschrieben oder einen Streit vom Zaun gebrochen hat, dann kommen die an und sagen: Ich war es. Denn wenn du eine Lüge in die Welt setzt, stößt du zwei Steine an. Diese stoßen wieder zwei an und irgendwann sind es 64 Steine, die keiner mehr handeln kann.

Das interessiert mich: Authentizität. Es ist mein Leben, das ist einzigartig, und das werde ich mir nicht mit Lügen verkleistern. Das trifft auf Stefan zu und auf mich. Vielleicht sind wir deshalb so gerne miteinander unterwegs. Ich habe seit 2006 viel von ihm mitgenommen.

Wie viele private Erfahrungen bringst du in die Rolle ein?

Wir haben Stefan als komplexe menschliche Figur entwickelt, die nicht nur einen Charakter, sondern auch ein Wesen hat. Er ist wie ein guter Freund. Wenn wir uns mit den Drehbüchern und Geschichten beschäftigen, fragen wir uns etwa, wie Stefan mit schweren Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen, Behinderung oder Barrierefreiheit umgeht.

Wir setzen uns mit seinem Charakter auseinander und lassen ihn wirklich agieren. Wir sind zu viert, die ihn kreieren, statten die Figur gemeinsam aus und lernen wiederum von ihr. Es ist eine komplexe Sache, aber anders ist es kaum zu erklären.

Wie hat die Community reagiert, als sie hörte, dass es weitergeht?

Die Community war schon immer Teil der Lehrerfamilie. Das Schöne ist: Sie begreift sich nicht nur als Zuschauer, sondern als Teil dessen, was passiert. Das war früher bei den vielen Set-Besuchen junger Menschen aus ganz Deutschland schon so. Sie kamen nicht nur für Selfies oder Grußbotschaften, sondern um ihre Geschichten zu erzählen.

Genau dieses Gefühl habe ich jetzt wieder in persönlichen Nachrichten über Instagram, in Briefen und Kommentaren erlebt. Es heißt nicht nur: Schön, dass er wiederkommt. Sondern: Wir kommen wieder zu ihm und wir wollen diese Auseinandersetzung.

Wirst du auf der Straße noch als Vollmer wahrgenommen?

Ja, mittlerweile ist tatsächlich auch mein Name Hendrik Duryn angekommen. Natürlich ist es trotzdem oft so, wie der Titel meines Buches lautet: „Sie sind doch der Lehrer, oder?“ Das ist häufig der Opener.

Das Schöne ist, dass Menschen, die auf mich zukommen, sofort ein Gefühl von Vertrautheit haben: Wir kennen uns. Dabei gibt es keinerlei Übergriffigkeit. Es geht nicht um mich oder das Selfie, sondern sehr schnell um ihre Geschichte und das Gespräch miteinander.

Das mit einer Figur zu erreichen, finde ich schön. Es entsteht vor allem eine Begegnung von Mensch zu Mensch und nicht von Schauspieler zu Zuschauer.

Jetzt aktuelle Staffel schauen bei RTL+.