Bettina Zimmermann gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Ob Drama, Komödie, Krimi oder Synchronrolle – die gebürtige Niedersächsin hat sich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt und dabei ganz unterschiedliche Facetten gezeigt. Ihre Schauspielkarriere begann nach ersten Modeljobs Ende der 1990er-Jahre, inzwischen blickt sie auf zahlreiche Kino- und Fernsehproduktionen zurück.
Was reizt sie heute an ihrem Beruf, wie hat sich ihr Blick auf Erfolg und das Älterwerden verändert und welche Bedeutung haben Familie, Natur und ein Leben abseits des Rampenlichts? Im exklusiven Gespräch mit der Enzkreis Rundschau gibt Bettina Zimmermann persönliche Einblicke in ihr Leben, ihre Karriere und ihre aktuellen Projekte.
Frau Zimmermann, Sie sind seit vielen Jahren eine feste Größe in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Wenn Sie heute auf Ihre Karriere zurückblicken: Gibt es einen Moment, bei dem Sie sagen würden: „Ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Leben verändert“?
Als ich gemerkt habe, dass ich meine Leidenschaft ausleben und zu meinem Beruf machen kann. Dass ich davon leben kann. Diese Erkenntnis, dieser Moment hat viel verändert.
Sie haben einmal erzählt, dass Sie schon als Kind Freude daran hatten, Figuren zu spielen und in andere Rollen zu schlüpfen. Was fasziniert Sie bis heute an der Schauspielerei?
Das Eintauchen in andere Persönlichkeiten mit all ihren Empfindungen, Bedürfnissen, Spleens und Abgründen, die nichts mit einem selber zu tun haben. Das finde ich spannend.
Sie haben im Laufe Ihrer Karriere sehr unterschiedliche Rollen gespielt. Was muss eine Figur heute mitbringen, damit Sie sofort Lust bekommen, sie zu spielen?
Sie muss etwas in mir auslösen durch das, was sie tut, oder dadurch, wie sie ist. Doch es geht nicht immer nur um die Rolle, sondern um die Geschichte, die erzählt wird, und darum, welche Aussagen getroffen werden.
Gibt es eine Rolle, die Sie bisher noch nicht gespielt haben, die Sie aber unbedingt einmal ausprobieren möchten?
Eine Antwort darauf zu geben, ist für mich nicht einfach. Es gibt nicht diese eine Figur mit Namen, die ich unbedingt spielen will. Frauenfiguren in ihren unterschiedlichsten Facetten, mit all ihren Stärken, ihrem Mut, aber auch ihren Schwächen, ihrer Verletztheit finde ich sehr spannend.
Sie stehen regelmäßig vor der Kamera und sind gleichzeitig seit vielen Jahren Teil einer Branche, in der sich vieles verändert hat. Was hat sich aus Ihrer Sicht im Schauspielberuf am stärksten verändert?
Vieles hat sich verändert, leider. Es wird überall gespart, wo es nur geht, meist zum Nachteil der Filme, der Bücher, der Geschichten. Es muss alles viel schneller gehen, in weniger Drehtagen und mit weniger Geld für die Produktion. Das schadet der Qualität und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionen.
Gerade für Schauspielerinnen ist das Thema Alter in der Filmbranche immer wieder präsent. Sie sind inzwischen in einer Lebensphase angekommen, in der viele Frauen neue Seiten an sich entdecken. Hat sich Ihr Blick auf das Älterwerden verändert?
Jein. Meine Eltern waren für mich immer tolle Vorbilder, was das Älterwerden anbelangt. Meine Mutter wird 86 und ist immer noch neugierig auf Neues, probiert vieles aus. Sie sitzt nicht nur rum, sondern sucht sich immer neue Aufgaben, die ihr Spaß machen. Das war schon immer so, und das hat sie auch immer von anderen Frauen ihrer Generation – bei denen dann doch schneller mal kommt: „In meinem Alter kann ich das doch nicht mehr machen …“ – abgehoben. Meine Mutter hat immer ihren eigenen Weg gesucht und ihr eigenes Ding gemacht. Diese Neugierde und diese Offenheit hoffe ich mir auch zu bewahren. Wir Frauen heute mit über 50 haben ja auch schon viel mehr Möglichkeiten als die Frauen früher. Mit fünfzig noch einmal neu zu starten, ist heutzutage kein Problem mehr. Man muss es nur wollen.

Haben Sie heute mehr Gelassenheit als noch vor zehn oder zwanzig Jahren?
Ja, ich weiß mittlerweile mehr als früher, was ich will und was nicht. Und ich habe gelernt, „Nein“ zu sagen. Ich mag mich so, wie ich bin, und muss mich nicht verbiegen. Aus meiner Perspektive als Mutter bin ich allerdings aufgrund der weltweiten Entwicklungen zunehmend weniger gelassen. Da mache ich mir große Sorgen.
Sie und Kai Wiesinger stehen sich nicht nur privat nahe, sondern immer wieder auch gemeinsam vor der Kamera. Was ist die größte Herausforderung daran, mit dem eigenen Partner zusammenzuarbeiten – und was ist vielleicht das Schönste?
Wenn man mit jemandem zusammen ist, dann ist doch das Schönste, auch viel Zeit mit dem Partner/der Partnerin zu verbringen. Durch unsere gemeinsamen Projekte verbringen wir dann auch zeitweise 24/7 miteinander, was wir aber als Geschenk betrachten. Wobei wir auch gut unterscheiden können, ob wir gerade privat oder beruflich Zeit verbringen. Da geht es uns wie allen anderen Beteiligten eines Filmteams um das Projekt, um das Ergebnis. Wir haben halt den großen Vorteil, uns so gut zu kennen, dass wir uns blind verstehen, was für die Arbeit oft ein Gewinn ist.
Was bedeutet für Sie persönlich ein „guter Tag“ – wenn einmal kein Dreh und kein Termin ansteht?
Wenn ich zu Hause sein, Zeit mit meiner Familie verbringen und in Ruhe aufwendigere Gerichte kochen kann.
Sie haben neben der Schauspielerei auch eine große Leidenschaft für Design und Einrichtung. Woher kommt Ihre kreative Seite?
Schon als Kind habe ich ständig die Möbel in meinem Zimmer gerückt und mir immer wieder neue Stell- und Designmöglichkeiten ausgedacht, und das, obwohl mein Zimmer gerade mal 11 qm groß war. Aber ich wollte immer das Optimum herausholen. Generell sind wir schon immer eine kreative, handwerklich-gestalterische Familie gewesen, jeder auf seine Art, mit seinem Steckenpferd. Bei mir war es neben dem Schultheater die Architektur (für die sich mein Vater auch sehr interessiert hat, er war Diplomingenieur) und Design.
Wenn Sie Ihr Zuhause gestalten: Sind Sie eher Perfektionistin oder darf es auch einmal gemütlich-chaotisch sein?
Beides. Perfektionistin, wenn es um den Mix der Materialien (vor allen Dingen der verschiedenen Oberflächen, der Haptik) geht. Da liebe ich es, Leinen, Beton und Holz zu kombinieren. Neue Möbel in Kombination mit ein paar wenigen, gut ausgesuchten alten Möbeln mit Geschichte, am besten von der eigenen Oma. Alles zusammen in perfektem Einklang, damit man sich als Familie darin wohlfühlt. Das gemütlich Chaotische kommt dann eh mit dem Leben als Familie. Und das darf auch sein. Mein Tipp: immer genügend Stauraum überall einplanen.
Wenn Sie einen Tag lang mit einer Person aus der Filmgeschichte den Platz tauschen könnten – wen würden Sie wählen und warum?
Als Kind war es immer Pippi Langstrumpf. Mary Poppins wäre auch schön, dann hätte ich eine Handtasche, in die unendlich viel reinpasst … Oder Hermine aus Harry Potter: Mit so vielen Special Effects in so einer Kulisse zu drehen, ist schon besonders. Als erwachsene Schauspielerin sind es dann aber natürlich die starken Frauencharaktere, wie z.B. Charlize Theron in „Monster“ oder Julia Roberts in „Erin Brockovich“.
Gibt es einen Film oder eine Serie, bei der Sie selbst heute noch sagen: „Den schaue ich mir immer wieder gerne an“?
Eine Serie ist da bei mir „Friends“. Damals war vermeintlich alles gut. Es gibt mir ein wohliges Gefühl und ich kann herzlich lachen. Das tut in Zeiten wie diesen sehr gut.
In Kürze erscheint ein neuer Film mit Ihnen, „Novemberliebe“. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?
Auf einen klassischen Feelgood-Film, nach dem Prinzip „Gegensätze ziehen sich an“. Der Soldat Henrik kommt zu der Therapeutin Anja auf ihren Pferdehof, um sich von ihr helfen zu lassen, denn Anja hilft mit ihren Pferden traumatisierten Personen, wieder zurück ins Leben zu finden. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein, denken sie zumindest … Eine rührende Liebesgeschichte mit Tiefgang, die einen mit einem guten Gefühl hinausgehen lässt.
Und zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre – beruflich, persönlich und ganz unabhängig vom Rampenlicht?
Ich denke, wie viele andere wünsche ich mir, dass Ruhe in diese ganzen weltpolitischen Geschehnisse kommt, die KI nicht die Oberhand gewinnt und auch unsere Kinder eine Zukunft haben dürfen und wir natürlich gesund bleiben. Floskeln, wie man so schön sagt, die ich aber wirklich so meine und mir sehr wünsche. Beruflich hoffe ich für unsere Branche, dass die Mutigen wieder Chancen bekommen und nicht alles von Angst regiert wird.
Das Interview führte Verleger Benny Clausing exklusiv für die Enzkreis Rundschau
